Svenja Jung spielt eine der beiden Hauptrollen in der neuen 70er- Jahre Serie „Zarah, die Donnerstag, 7. September im ZDF startet

 

 

Programmbezug: Ab 7. September, sechs Folgen, „Zarah“,  donnerstags, 21.00 Uhr, ZDF

 

 

Zuletzt hatte Svenja Jung im ZDF-Krimi „Ostfriesenkiller“ neben Christiane Paul als geistig behindertes Mädchen einen echten Erfolg hingelegt. Nach einigen Gastrollen in „Der Alte“ und „Heldt“ ist die attraktive Wahl-Berlinerin aus dem kleinen Ort Weroth in der Pfalz nun erstmals in Serie zu sehen: Als wilde Verleger-Tochter Jenny Olsen in vorerst sechs Folgen der neuen ZDF-Serie „Zarah“. Wie die die 1993 geborene Aktrice den Sprung in die quirligen 70er Jahre hinbekommen hat, erzählt sie im folgenden Interview.

 

 

Die neue ZDF-Serie „Zarah“ spielt im Deutschland der 70 Jahre. Da waren Sie noch gar nicht geboren. Wen konnten Sie zu dieser Zeit befragen?

„Ich bin 1993 geboren, bin sehr weltoffen erzogen worden und deswegen war für mich vor allem die Stellung der Frau in den siebziger Jahren ungewöhnlich – teilweise auch echt erschreckend.“

 

 

Warum?

„Einiges ist für mich schwer vorstellbar, eine Frau durfte nicht arbeiten gehen, wenn der Mann es nicht erlaubt hat. Homosexualität war verboten. Frauen in Führungspositionen waren fast undenkbar. Das sind alles Dinge, mit denen ich erst einmal klarkommen musste. Ich musste diese Zeit verstehen.“

 

 

Was mögen Sie an Ihrer Figur Jenny Olsen?

„Die Lebensfreude ist etwas, was uns beide sicher verbindet. Es ist immer die Frage, wie viel Svenja in Jenny steckt und umgekehrt. Wir sind schon sehr unterschiedlich. Jenny kommt aus ganz anderen Verhältnissen als ich. Jenny ist ein Mensch, der nicht weiß, wohin er möchte, nicht weiß, ob er los sprinten möchte oder doch lieber drei Schritte zurückgeht. Auch beruflich weiß sie nicht genau, was sie machen will.“

 

 

 

Wie war das bei Ihnen? Wussten Sie relativ schnell, wo es hingehen soll?

„Jeder Mensch ist auf der Suche nach sich selbst, aber das ist ein Prozess, der sich vielleicht durch das Leben lang zieht. Trotzdem weiß ich schon mehr, was ich möchte und welchen Beruf ich ergreifen möchte. Ich möchte den Schauspielberuf und ich bin froh, dass ich ihn gerade durch diese Serie ausüben darf. Die Figur Jenny ist da für mich ein Geschenk, was die Suche nach der Identität angeht.“

 

 

Was sind Ihre Eltern von Beruf und was sagen die zum Schauspielberuf?

„Mein Papa hat bei einer Bank gearbeitet und jetzt arbeitet er als Unternehmensberater. Und meine Mama ist Krankenschwester vom Beruf. In meiner Familie gibt es keinerlei Berührungen mit einem künstlerischen Beruf – und Schauspiel schon gar nicht. Meine Oma sagt mir immer, ich soll jetzt langsam mal etwas Anständiges machen.“ (lächelt)

 

 

Auf der anderen Seite sind Sie bei Ihren Eltern unter Umständen in Sachen Gesundheit und Finanzen schon gut aufs Leben vorbereitet. Mit dem einen können Sie umgehen und auf das andere achten Sie, oder?

„Meine Finanzen, die sind geregelt, und gesundheitlich bin ich auch gut unterwegs. Ich bin froh, dass ich aus einer Familie komme, in der niemand einen künstlerischen Beruf ausübt. Das ist auch für meine Lieben ganz aufregend. Am Anfang war es immer so: ,Hey, Svenja, was machst du da und wieso?‘ Mittlerweile aber sind sie dann schon auch stolz auf mich und gucken sich meine Arbeiten an.“

 

 

Haben Sie Geschwister?

„Ich habe eine drei Jahre jüngere Schwester, die im Moment Publizistik studiert und vielleicht Journalistin werden will.“

 

 

Wo leben Sie?

„In Berlin – wie alle Schauspieler, da zieht man hin. Die Stadt ist für mich am praktischsten, meine Agentur ist in Berlin, auch Castings finden so gut wie immer in Berlin statt. Da passiert am meisten und deswegen bin ich dort hingezogen. Ich finde aber auch, dass Berlin schlicht und einfach eine tolle Stadt ist.“ (strahlt)

 

 

In der Serie geht es auch um Untreue und Seitensprung – auch in der Hinsicht ist Revolution angesagt. Wie sind Sie da eingestellt? Ist Treue wichtig für Sie?

„Für mich ist Ehrlichkeit in einer Beziehung sehr wichtig. Ich mag es, wenn man über alles spricht und auch wirklich über alles spricht, und seine Gefühle und Gedanken ausdrückt. Wenn das so ist, dann bin ich der Meinung, kriegt man alles hin – und Treue ist mir in einer Partnerschaft auch wichtig.

 

 

Gibt es einen Freund an Ihrer Seite?

(lächelt): „Dazu möchte ich nichts sagen.“

 

 

Könnte der Mann an Ihrer Seite ein Schauspieler sein?

„Ich glaube, so pauschal kann ich das nicht sagen. Für mich kommt es wie immer im Leben darauf an, was für eine Persönlichkeit dahinter steckt und wo die Liebe hinfällt, da liegt sie. In der Liebe schließe ich nichts aus!“ (grinst)

 

 

Was für ein Outfit bevorzugen Sie persönlich?

„Bei Kleidung mag ich es leger und praktisch. Ich bin der relativ bequeme Typ, obwohl ich das manchmal auch schade finde. Für besondere Anlässe mag ich es sehr, mich schön zu machen. “

 

 

Wie war es für die Serie und Ihre Figur Jenny Olsen?

„Jennys Kleidung finde ich total cool, das hat mir viel Spaß gemacht, denn diese ganzen Sachen sind Original von damals. Oft stammen die Klamotten jedoch aus Paris, weil es in Hamburg keinen Fundus für Klamotten aus den siebziger Jahren gibt und in Berlin gibt es einen, aber da war auch nicht mehr so viel vorhanden.“

 

 

Was zeichnet Ihre Film-Figur kleidungsmäßig aus?

„Jenny ist ein weit gereister Mensch, sie ist international unterwegs, und deswegen trägt sie auch internationale Mode. Das hat mir super viel Spaß gemacht und es ist wirklich toll, auch diese langen Stiefel mit den Riesen-Absätzen zu tragen. Ich habe beim Drehen immer meine privaten Pantoffeln für zwischendurch dabei gehabt, weil es für mich unbequem und anstrengend war, in diesen Stiefeln zu gehen. Für mich sind die Outfits in dieser Serie echt der Knaller!“ (lächelt wieder)

 

 

Wie haben Sie die Zeit durch den Film erlebt? Sagen Sie: Gott sei Dank, dass ich erst 1993 dazu gekommen bin?

„Ich kann das nur aus der Sicht der Jenny Olsen beurteilen und ich glaube, wenn ich als Jenny in den siebziger Jahren geboren worden wäre und so aufgewachsen wäre, dann wäre das absolut was für mich.“

 

 

Warum?

„Jenny hat eine gewisse Freiheit, dadurch dass sie sehr unbeschwert ist, was Geld angeht, sie hat ihren Vater, der alles für sie regelt. Natürlich hat sie auch ihre Tiefen und Jenny ist kein durchweg glücklicher Mensch.“

 

 

Und Sie?

„Manchmal denke ich mir, es ist schon cool, was zu dieser Zeit für eine Aufbruchsstimmung geherrscht hat. Gerade nach der 68er Revolution war in den siebziger Jahren das Ausprobieren angesagt. Ich habe manchmal das Gefühl, das geht heute ein bisschen zurück und alle werden wieder so brav. Dieses wilde Feeling an den siebziger Jahren und auch das verrückte Austesten, das finde ich schon interessant.“

 

 

Wie war das Austesten während der Dreharbeiten?

„Es gibt relativ viele Tanzszenen für Jenny und der Regisseur Richard Huber hat immer zu mir gesagt: ,Svenja, jetzt hör mal auf, zu wollen, dass es gut aussieht. Hör auf damit, daran zu denken, dass du jetzt irgendwie cool aussehen willst, sondern versuch einfach so zu tanzen, wie es gerade kommt und bitte, bitte, sei so bescheuert, wie es nur geht. Denk nicht darüber nach, was du machst! Genauso war es nämlich in den siebziger Jahren.‘“

 

 

Okay!

„Dieses Tanzen ist für mich eine sehr schöne Metapher für die Generation in dieser Zeit.“

 

 

Tanzen Sie denn gern? Kam Ihnen das entgegen?

„Ich tanze sehr gerne und ich bin auch durch den Tanz zur Schauspielerei gekommen. Ich habe zusammen mit meiner Cousine früher ganz viel Ballett getanzt. Ich war auch zusammen meiner Cousine ein Show-Tanz-Duo und da war jedes Wochenende Turnier-tanzen auf Wettbewerben angesagt. Damals ging es auch darum, durch den Tanz Geschichten zu erzählen – und dabei habe ich gemerkt, dass das Erzählen von Geschichten mir sehr viel bedeutet und sehr viel Spaß macht. Deswegen bin ich zum Schauspiel gekommen.“

 

Wo haben Sie sich eine Form von Wild sein erhalten? Machen Sie mitunter mal eine Nacht durch oder schwimmen Sie einmal quer durch einen See ...

„Ich mache auf jeden Fall sehr gerne Sport. Ich unternehme gerne spontane Sachen, ich mag es, spontan ein Auto zu nehmen oder eine Mitfahrgelegenheit zu suchen und irgendwohin zu düsen. Klar, mitunter kann ich auch mal eine Nacht durchfeiern. Wild sein hat für mich sehr viel mit Spontanität zu tun.“

 

 

Was für Sport machen Sie?

„Ich habe ganz viel getanzt, damit habe ich aber leider aufgehört, blöderweise, ich müsste wieder anfangen. Ich mache sehr gerne Yoga und ich gehe zum Joggen. Ich mache Sport gerne in der Natur.“

 

 

Wie entspannen Sie am besten während einer Dreharbeit? Können Sie Sport da einbauen?

„Auch wenn ich drehe, versuche ich immer genügend Sport zu machen. Aber manchmal kommt der Sport zu kurz, weil ich lange Drehtage habe und danach zu müde bin. Ganz oft mache ich aber frühmorgens, nach dem Aufstehen, einen Sonnengruß. So fängt für mich der Tag gut an, denn das gibt mir Energie.“

 

 

Was ist für Sie zum Ausklang eines Tages eine Form von Entspannung?

„Ich bin gerne auf Dachterrassen! Ich bin auch gerne auf Balkonen! Generell bin ich sehr gerne weit oben und gucke auf die Stadt oder in die Landschaft. Wenn etwas weit oben ist, und wenn es da sehr ruhig ist, dann ist das für mich ein idealer Platz zum Entspannen.“ (grinst)

 

 

Sind Sie eitel? Wie lange brauchen Sie morgens im Bad?

„Es kommt natürlich immer darauf an, was an dem Tag ansteht. Wenn es ein ganz normaler Tag ist, dann geht es schnell. Ich schminke mich nicht so viel, aber ich kann das auch einfach nicht so gut. Ich bin schon relativ schnell im Badezimmer fertig. Jetzt habe ich blonde Haare, die sind momentan etwas angegriffen vom vielen färben, deswegen ist es jetzt etwas schwieriger, sie zu stylen und ich brauche vielleicht fünf Minuten länger. Generell brauche ich nicht lange im Bad!“

 

 

Planen Sie Ihre Zukunft? Wissen Sie, wo Sie sich in fünf Jahren sehen?

(überlegt kurz): „Ja, ich bin schon jemand, der sich Ziele setzt. Ich weiß, was ich möchte, aber ich sage nicht, ich muss das bis dann und dann unbedingt geschafft haben.“

 

 

Warum nicht?

„Ich bin der festen Meinung, gerade in diesem Beruf, sobald man sich Stress macht, sich unter Druck setzt, dann verliert man eine Entspanntheit und etwas Lockeres, was für diesen Beruf so wichtig ist. Man muss loslassen können, auch Emotionalität zulassen können. Ich glaube, sobald man verkrampft, funktioniert das nicht mehr. Deswegen habe ich Ziele für mich, aber nicht in bestimmten Zeitfenstern.“

 

 

Was sind Ihre Stärken?

„Meine Stärke ist, dass ich ein sehr positiver Mensch bin und aus jeder Situation versuche, das Beste herauszuholen. Ich empfinde meine Spontanität als Stärke. Mir ist auch Dankbarkeit wichtig, Demut dem Beruf gegenüber.“

 

 

Und Schwächen?

„Ich bin auf jeden Fall manchmal etwas verpeilt. Ich bin mitunter etwas vergesslich.“

 

Herrscht bei Ihnen zuhause immer etwas Chaos?

„Naja, ich vergesse schon gerne mal etwas und das tut mir dann auch immer ganz schrecklich leid.“

 

 

Vergessen Sie eher den Schlüssel oder, sich bei Menschen zu melden?

„Das sind mehr so dumme Dinge, ich schließe mich gern mal aus. Den Schlüssel zuhause liegen lassen, so etwas passiert mir wirklich gerne mal. Wenn jemand irgendwo in ein Fettnäpfchen tritt, dann bin ich es ganz bestimmt.“

 

 

Aber Menschen vergessen Sie nicht?

„Meistens nicht. (lächelt wieder) Ich bin aber auch ein bisschen tollpatschig, deswegen habe ich auch ein paar Narben an meinen Beinen. Leider laufe ich auch gerne mal gegen Sachen, blaue Flecken an den Beinen sind mir nicht fremd.“

 

 

Was erhoffen Sie sich von der ZDF-Serie „Zarah“?

„Ich freue mich sehr auf den 7. September, denn ich bin ganz gespannt, wie die Serie angenommen wird und ich würde mich auch sehr freuen, wenn eine jüngere Zielgruppe zuschaut – so mein Alter, vielleicht auch noch etwas jünger. Das Thema ist auch für unsere Generation wichtig, weil Frauen immer noch nicht komplett gleichgestellt sind und das Thema deswegen auch sehr gut in die heutige Zeit passt.“

 

 

Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft in der Schauspielerei vor?

„Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn es eine zweite Staffel von ,Zarah‘ gibt, wenn es die Möglichkeit gibt, diese Rollen, die jetzt etabliert worden sind, auszuweiten und die Geschichten weiter zu erzählen.“

 

Was sind Ihre Zukunftspläne?

„Ich habe richtig große Lust meinen Rucksack zu packen und den Jakobsweg zu gehen. Das ist ein ganz großer Wunsch von mir und ich war auch noch nie in Amerika, dahin möchte ich auch gerne an die Westküste. Ich würde mir gerne mal so für zwei Monate meinen Rucksack nehmen und einfach drauflos gehen, und gucken, wo ich lande.“

 

Hat der Jakobsweg für Sie einen religiösen Hintergrund?

„Ich bin sehr religiös aufgewachsen. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz und das ist sehr katholisch. Früher war ich viel in der Kirche, fast jeden Sonntag, aber ab 18 Jahren habe ich mich davon zurückgezogen. Den Jakobsweg würde ich für mich selbst gerne laufen.“

 

Was reizt Sie daran?

„Ich finde eine Pilgerreise spannend, Leute kennen lernen interessant. Freunde von mir haben das gemacht und sie haben mir Fotos geschickt. Das sah toll aus und es hat mich neugierig gemacht. Ich möchte einfach mal etwas für mich selbst schaffen, mir so eine Strecke vornehmen. Ich glaube, das ist eine ganz inspirierende Reise, auf der man einige interessante Menschen kennen lernt, gerade, wenn man alleine reist. Für mich ist es auf Reisen  immer so, dass ich mit vielen Nationalitäten in Berührung komme. Das ist für mich total spannend.“ (strahlt)

 

© Wolfgang Wittenburg / T&T - Jede Infoauswertung ist honorarpflichtig – 8 /2017