Man(n) wächst mit seinen Herausforderungen!

Programmbezug: 19. November, „Zielfahnder – Flucht in  die Karpaten“, 20.15 Uhr, ARD

Wenn Ronald Zehrfeld in einem Film auftaucht, dann bleibt der meist in bester Erinnerung. So war es zuletzt mit dem Kinofilm „Zwischen Welten“ mit ihm als deutscher Soldat im Afghanistan-Einsatz, so ist es mit seiner ZDF-Krimireihe „Dengler“ und auch in seiner Pfarrer-Rolle in der ARD-Reihe „Weissensee“. Nun aber bildet der sympathische Hingucker-Typ zusammen mit Ulrike C. Tscharre ein neues und ungewöhnliches Ermittler-Duo im Polizisten-Film „Zielfahnder – Flucht in die Karpaten“. Genau wegen dieser Abwechslung unterschiedlichster Charaktere und deren Darstellung, bezeichnet Ronald Zehrfeld – privat verheiratet und Vater einer Tochter – die Schauspielarbeit als seinen Traumberuf. Im Interview spricht Ronald Zehrfeld ausführlich über die Dreharbeiten, über Rumänien und empfiehlt allen seinen „Zielfahnder“ – Film …

 

Sie spielen eine der beiden Hauptrollen in dem ARD-Film „Zielfahnder – Flucht in die Karpaten“. Wie lange mussten Sie überlegen, die Rolle des Zielfahnders zu übernehmen?

„Als Dominik Graf mir den Stoff vorschlug und im zweiten Satz sagte, dass Rolf Basedow das Drehbuch geschrieben hat, hat er mich schon gehabt.“

 

Das ging ja echt schnell …

„Ich kenne Rolf Basedow von, Im Angesicht des Verbrechens‘ und ich mag seine Schreibweise. Ich weiß, wie gut dieser Autor recherchiert. Ich weiß, er taucht komplett in das Milieu ein, das er beschreibt. Genau das ermöglicht ihm, so gute Drehbücher zu schreiben.“

 

Und das mögen Sie?

„Ich spüre regelrecht den Dreck unter den Fingernägeln der Figuren. Die sind mir beim Lesen so präsent, ich kann die Geschichte quasi schon riechen, schmecken, die Farbe der Natur sehen. Ein gutes Drehbuch ist ein perfektes Sprungbrett und ein idealer Wegbereiter, um mit einem guten Team auf eine Reise zu gehen. Und wenn man dann noch das Glück hat, mit Dominik Graf zusammen zu arbeiten – da hatte mich schon gehabt – Punkt

 

Während Sie in der ZDF Reihe „Dengler“ mehr der Macher und der Haudrauf sind, ist es hier eher umgekehrt, wenn Sie als Sven Schröder einen umhauen, dann ist es der Falsche. Mögen Sie diesen Schröder?

„Schröder ist ein Mann mit Polizei-Reflex. Und für mich sind es immer Geschenke, wenn ich meine Körperlichkeit einbringen kann. Zwischen meinen Figuren gibt es einen Unterschied – und das mag ich. Auch die Art der Inszenierung von Dominik Graf ist eine andere.“

 

Inwiefern?

„Beim ,Zielfahnder‘ war für mich das Besondere, in Rumänien zu drehen. Der erste Teil des Films ist für mich mehr gewöhnlicher Krimi, aber hochtechnisiert.“

 

Und der zweite Teil?

„Geht die Verfolgung in Rumänien weiter und für mich bekommt der Film dadurch eine andere Geschwindigkeit und wechselt fast in ein anderes Genre. Dominik schafft es, die Bilder so wunderbar einzufangen und uns Schauspielern so ein tolles Nest zubereiten, dass wir da sein können.“

 

Wie haben Sie die rumänische Hochzeit für diesen Film erlebt?

„Wunderbar! Besonders gefällt mir, man nimmt sich die Zeit, dieses Hochzeitsfest mit der Kamera zu zelebrieren, so dass man quasi den Schweiß vom Tanzen riechen kann. Das ist für mich Dominik Graf.  Er ist einer der Wenigen, der sich mit diesem Medium Film so sehr beschäftigt, und es so hervorragend bedient, dass es für mich immer einen besonderen Reiz hat.“

 

Gerade die ersten 30 Minuten dieses Films sind sehr dynamisch, was dann in Rumänien wieder abfällt …

„Ich kenne Dominik schon eine Weile und ich konnte mir vorstellen, wie der Film in etwa aussehen wird. Aber die richtigen Antworten bekommst du erst, wenn du den Film das erste Mal siehst.“

 

Und wie war das?

„Ich bin dann immer total aufgeregt, wir hatten das Glück, auf dem Münchner Filmfest im Kino zu sitzen. Mich hat dieser Sog absolut gefangen genommen. Ich habe gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergeht. Auf einmal war der Film zu Ende und ich bin gerade noch in Rumänien gewesen. Was für ein toller Film! Ich musste danach erstmal wieder auf das Filmfest in München umschalten.“

 

Sie haben in Bukarest und in der Berglandschaft der Karpaten gedreht. Waren Sie dort das erste Mal?

„Ich war zu DDR- Zeiten schon einmal in Rumänien, aber nach dem Sturz von Nicolae Ceausescu war das Land wie im Dornröschenschlaf. Ich habe das Gefühl, Rumänien hängt noch so 10 bis 15 Jahre hinterher. Allerdings muss man auch bedenken, dass das Land nach dem Sturz von Ceausescu lange noch Chaos war und jetzt kommt so langsam die Stabilität, auch im Zuge dessen, dass Europa enger zusammenwächst.“

 

Mögen Sie das Land?

„Wenn man nur bedenkt, was für eine großartige Kultur Rumänien hat, für Theater-Größen, für Schauspieler-Kollegen, was Rumänien für ein reiches Land ist. Ich denke, wir wissen noch viel zu wenig von Rumänien. Ich sage nur: Wenn du eine Reise machen willst, dann besuche Rumänien. Dort gibt es diesen witzigen Schalk: Vergiss nicht, der Rumäne geht hinter dir in die Drehtür rein und kommt vor dir wieder heraus. Das hat für mich auch etwas sehr Sympathisches.“

 

Wie waren die Dreharbeiten in den Bergen?

„Besonders spannend sind für mich die Karpaten, sowohl von der Natur her, als auch von den Menschen und von der Gastfreundschaft. Das Land strahlt dich in seinen Farben an. Dort ist auch nicht alles nur auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet. Das hat immer zwei Seiten: Man wünscht dem Land, dass es auf stabilen Beinen stehen kann, dass Wirtschaft und Industrie entsteht. Gleichzeitig fährt man eine Stunde raus aus Bukarest und man sieht viele Pferdekarren. Spätestens dann weiß man, die Umstellung geht nicht von heute auf morgen. Dort stehen aber auch nicht überall Hinweisschilder, überall Windräder und Sessellifte und Ski-Anlagen, sondern in den Karpaten ist unberührte Natur und für den Kameramann jede Menge Möglichkeiten, wunderbare Einstellung zu machen. Wie für unseren Film, wo man eine Schafherde von oben filmt und das bis hinunter ins Tal. Da muss nicht durch Special-Effects ein Windrad herausgelöst werden. Für mich hat diese Natur etwas Romantisches und auch etwas von Karl May.“

 

Wurmt es Sie trotzdem, dass Ihre Figur Schröder von seiner Kollegin den Rang abgelaufen bekommt? Ein Loser ist er nicht, aber wie gehen Sie damit um?

„Ganz einfach: Damit muss ich nicht umgehen, sondern es ist ein Teil meiner Figur. Für mich macht genau das den Reiz aus, Schröder ist keiner, dem alles gelingt. Es ist das Schöne an dem Duo Basedow und Graf, dass für mein Empfinden deren Figuren immer noch etwas menschlicher sind. Das sind Figuren mit ihren Stärken und Schwächen, mit ihrer eigenen Art Sensibilität. Bei Dominik habe ich das Gefühl, man ist immer noch ein Stück näher an dem Menschen dran.“

 

Okay!

„Kolleginnen und Kollegen, die mit Dominik Graf gearbeitet haben, sind bei ihm oftmals besser oder stärker und überraschen mich anders. Dann denke ich: So habe ich die noch nie gesehen. Das ist ein großes Geschenk. Dominik Graf gibt uns einen großen Raum, so dass wir uns in unseren Figuren wohlfühlen können  – und es ist für mich ein Geschenk, in unserem Beruf so arbeiten zu können.“

 

Wie war die Zusammenarbeit mit Ulrike C. Tscharre?

„Ulrike kenne ich von ,Im Angesicht des Verbrechens‘. Wir hatten zwar keine gemeinsame Szene zu spielen, aber ich schätze sie als Kollegin sehr. Im ,Zielfahnder‘ hatten wir zum ersten Mal die Möglichkeit, zusammen zu spielen, uns die Bälle zu zuspielen – und dann war's schon wieder zu Ende. Deswegen schielen wir beide darauf, ob es weitergehen kann und unter welchen Bedingungen. Alle warten die Ausstrahlung ab, denn – wie gesagt – dann bekommen wir zum ersten Mal ein Feedback auf unserer Arbeit. Und wenn es dann heißt: Eure Kombination, ihr als Team, man hat euch gern zugeschaut, es war spannend, mehr davon, bitte, dann freuen wir uns darüber sehr und sind beide einer Meinung, dass dieses Projekt gerne weitergehen kann.“

 

Machen Sie zum Schluss Werbung in eigener Sache– warum soll der geneigte Zuschauer „Die Zielfahnder“ nach Möglichkeit nicht verpassen?

„Weil die Sehgewohnheiten sonst in Deutschland etwas anderes zeigen. Ich mag Dominiks Arbeiten, weil er eine andere Temperatur und eine andere Farbe ins Fernsehen bringt. Rumänien gehört mit zu Europa. Man ist in ein oder zwei Flugstunden dort. Dieser Film zeigt so viel: Diese Farbe, diesen Geschmack, die Tatsache, dass man einmal über den Tellerrand hinausschaut, dass wir alle nur Menschen sind und etwas mehr zusammenkommen, dass wir uns mal ein bisschen entschleunigen.“

 

Fotos: © Dorothee Falke

Text: © Wolfgang Wittenburg