Friedrich von Thun spricht erstmals über seine lebensgefährlichen Abenteuer …

Der Adel von Friedrich von Thun lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Das hat ihn aber nie davon abgehalten, durch die Welt zu reisen und sich in große Gefahr zu begeben. Jetzt hat er erstmals davon erzählt.

 

 

Sie sind ja eine ungewöhnliche Kombination: Einerseits der Gentleman des deutschen Fernsehens – andererseits privat ein echter Abenteurer …

 “Das ist bei mir so langsam gekommen. Erst habe ich diese Ludwig-Thoma-Filme gemacht, dann als Regieassistent gearbeitet, aber nie selber ein Fernsehspiel als Regisseur bekommen, und dann habe ich deshalb angefangen, selbst Filme zu produzieren.

 
Wie kam das?

„Und das kam so: Ich traf zwei Freunde, die gerade den Flugschein gemacht hatten.  Und die sagten: ‚Wir haben da zwei einmotorige Flugzeuge geliehen und wir fliegen morgen nach Timbuktu.’ Und ich fragte nur: ‚Timbuktu? Ja, wo ist das denn?’ Und die dann: ‚Na, am Niger, in Mali. Komm doch mit.’ Daraufhin bin ich zu einem Redakteur des BR gegangen und habe gesagt, dass ich gerne nach Mali reisen möchte. ‚Wohin?’, hat der entgeistert gefragt. Ich wusste, dass der BR nur Dokumentationen macht, wo irgendwie Deutsche drin vorkommen. Und ich hatte ja keine Zeit zum Recherchieren. Da bin ich darauf gekommen, dass es mal einen Heinrich Barth gegeben hat. Das war der erste Weiße, der Timbuktu überlebt hat – vorher wurden Fremde da einfach umgelegt, weil Timbuktu eine verbotene Stadt war, eine reiche Handelsstadt. Und dann hab ich gesagt, ich mache eine Geschichte über moderne Abenteurer und daneben erzähle ich die Geschichte von Heinrich Barth. Und dann fragte der BR: ‚Ja wie viel brauchst du denn dafür?’ Und ich: ‚Keine Ahnung.’ Dann gab mir der BR 20 000 Mark und übernahm die Ausrüstung und den Schnitt und wir sind damit los. Das war mein erster Film.“

 

So entstand auch Ihr Film über die Maya?

“Ja – wir sind nach Mexiko geflogen und haben uns mitten im Dschungel absetzen lassen. Wir sind da völlig ahnungslos hin. Schön war das mit den Giftschlangen – wir fragten uns, ob wir das Serum dabei hätten, denn überall waren Schlangen. Aber das Serum war natürlich genau in der Kiste, die wir vergessen hatten. Ein Wahnsinn! Einmal saßen wir auf einer Wiese und warteten, weil der Pilot uns nur einzeln einfliegen konnte, und da kamen die echten Indios, die Lakandonen, das sind die wahren Nachfahren der Maya in weißen bodenlangen Hemden und langen schwarzen Haaren. Wir sagten dann, wir würden gerne etwas bleiben und den Tempel sehen, der war von einem Halb-Deutschen entdeckt worden, der später umgebracht wurde – darüber habe ich dann den Film gemacht: Bonampak.“

 


 

Später haben Sie dann dafür gesorgt, dass sich große Teile der bayerischen Bevölkerung in Taucheranzüge geworfen haben...

“Ja, der Schatz am Inn, das war eine tolle Sache. Da gab es eine Ausstellung über die Wittelsbacher und da war ein goldener Löffel und ein großer Silberteller und da stand drunter: Gefunden im Inn als Teil des Silberschatzes aus dem Dreißigjährigen Krieg. Dann fand ich heraus, dass der bayrische Kurfürst, der sehr reich war, seinen Silberschatz vor den Schweden in Sicherheit bringen wollte, und zwar per Schiff nach Passau. Leider war der Kapitän betrunken, prallte gegen den Brückenpfeiler in Mühldorf und das Schiff sank. Dann hatte ich aus dem geheimen Wittelsbacher Hausarchiv die Inventarlisten verglichen und schätzen lassen, was da verloren ging. Und das war richtig was wert. Ich habe darüber drei Filme gemacht. Da waren zu allem Überfluss auch noch Hamburger Schatztaucher dran interessiert, da sagte ich den Mühldorfern, wenn die das finden, wird euch ganz Bayern auslachen. Jahrhunderte habt ihr einen Schatz vor der Haustür gehabt und jetzt finden ihn die Preußen. Daraufhin habe ich das alleinige Recht bekommen, im Inn bei Mühldorf zu tauchen.“


Aber gefunden haben Sie auch nichts, oder?

“Na ja, immerhin ein Schwert aus dem Mittelalter, Fahrräder und Armbrustspitzen. Der Fluss hat seinen Verlauf über die Jahrhunderte irrsinnig oft verändert, und dann wurde er befestigt. Ich habe sogar ein Modell bauen lassen mit Kisten, um zu prüfen, wie die sich beim Untergang verhalten, aber es war hoffnungslos.“

 

Von diesem Abenteuer zum Hasch-Schmuggeln scheint es da nur noch ein kleiner Schritt zu sein...
 ... „Na ja, das war in einer Zeit, als man solche Sachen noch etwas lockerer sah. Es gab in Marokko Fumerien, da ist man hingegangen und hat nachmittags, so wie in Italien einen Espresso, ein Pfeifchen genommen und ist weitergegangen. Das fanden wir auch sehr angenehm und haben dann etwas mitgenommen.“

 
Und da hatten Sie keine Angst, am Flughafen aufzufliegen?

“Das war doch am Anfang der Siebzigerjahre, da war das alles noch nicht so wild. Ich weiß noch genau, wie wir im kleinen Kreise saßen, und dann haben sogar auch meine Eltern probiert: Ja, das schmeckt aber wirklich komisch!  Bis dann irgendwann die Leute in München ankamen und sagten: ‚Hey, ihr habt doch da so Zeug!’ Da hab ich mir gesagt: Jetzt hören wir lieber auf, die Sache  wird mir doch zu heiß.“

 

So viel zum Thema kultureller Umgang mit Rauschmitteln.

“Das war aber übrigens kein Haschisch, das war Gras! Wir waren ja eigentlich da wegen der zweiten Dokumentation, das war zehn Jahre nach dem Erdbeben in Agadir.“

 

Friedrich von Thun in den Ruinen einer Mayastadt in Belize
Friedrich von Thun in den Ruinen einer Mayastadt in Belize
... und vor einem steinernen Olmeken-Kopf in Mexiko
... und vor einem steinernen Olmeken-Kopf in Mexiko

 

Fotos: © Dorothee Falke (3), von Thun (2)

Text: © Daniel Schoeps / T&T