Andreas Hoppe: „Sicher geht mir mit Kopper auch ein Freund verloren!“

 

Als Hauptkommissar Mario Kopper war Andreas Hoppe für 22 Jahre und 57 Krimis das Raubein mit sizilianischen Wurzeln und gutes Gegengewicht zur Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) im Ludwigshafener „Tatort“. Nun aber quittiert der Schauspieler endgültig seinen Dienst als „Tatort“-Kommissar! Mit dem „Tatort – Kopper“ (7. Januar, 20.15 Uhr, ARD) verabschiedet sich der Berliner Andreas Hoppe aus dem Erfolgs-Team – Kopper wird von seiner Mafia-Vergangenheit eingeholt. Im ehrlichen Interview redet Andreas Hoppe (58) über seine „Tatort“-Zeit, seine Bewegründe für deren Ende und Wünsche an die Zukunft:

 

57 „Tatort“-Krimis in 22 Jahren als Mario Kopper in Ludwigshafen und mit dem „Tatort – Kopper“ (7. Januar, 20.15 Uhr, ARD) ist Schluss. Warum jetzt?

„Für mich ist das der richtige Zeitpunkt, denn es hat sich anhand der Folgen in den vergangenen Jahren schon abgezeichnet, dass die Geschichten um die Figur Kopper dünner geworden sind. Ich habe dafür andere Produktionen abgesagt und das war manchmal blöde. Ich finde es auch schade, dass so eine Figur, die doch sehr beliebt ist, wie ich aller Ortens feststellen kann, nicht gepflegt wird. Deshalb ist es gut, wenn es irgendwann zu Ende ist, denn sonst wird diese Figur längerfristig beschädigt.“

 

Alles also gut für Sie?

„Ich finde den Zeitpunkt jetzt gut. Es ist die richtige Entscheidung, aufzuhören. Ich mache mich auf zu neuen Ufern, zu neuen Filmen, zu neuen Ideen und ich bin voller Tatendrang und sehr gespannt darauf, was alles so an interessanten Projekten kommen mag.“

 

Ulrike Folkerts, die Sie seit der gemeinsamen Schauspielschule in Hannover kennen, und die Sie auch zum „Tatort“ gelotst hat, findet Ihre Entscheidung schade, akzeptiert sie aber. Findet Mario Kopper für Sie ein würdiges Ende?

„Ich finde Koppers Ende ganz schön und der letzte Film ist eine ganz spannende Geschichte. Das ist eine sehr schöne Produktion gewesen, die Arbeit mit dem Regisseur Roland Suso Richter hat Spaß gemacht und wir hatten w tolle Kollegen wie Michele Cuciuffo, der Koppers Gegenspieler ist. Wir hatten wieder eine tolle Mannschaft zusammen, die Arbeit war prima und ich werde Kopper in guter Erinnerung behalten.“

 

Dürfen Sie etwas über Koppers Ende verraten? Stirbt er?

„Ich will nichts verraten, denn ich finde es generell unterirdisch, dass man in vielen Programm-Zeitschriften immer schon vorher lesen kann, wie ein Film läuft. Ich möchte mir einen Film aber viel lieber unvoreingenommen ansehen, ich möchte nicht zu viel vorher wissen, sondern ich möchte einen Film immer neu entdecken.“

 

Was bedeuten Ihnen 22 Jahre Mario Kopper? Geht damit auch ein sympathischer Freund verloren, mit dem Sie nicht nur die Vorliebe für Sizilien, fürs Kochen und für Frauen teilen?

(lächelt): „Sicher geht mir mit Kopper auch ein Freund verloren. Nicht umsonst habe ich als eine Art Hommage an diese Figur ein Sizilien-Kochbuch geschrieben. Ich hatte eine ganze Menge schöne Erlebnisse und nette Menschen auf meiner Reise – quasi auf Koppers Spuren – durch Sizilien. Für mich war das eine Reminiszenz an die Figur und an unsere Freundschaft. Ich fand Kopper war immer eine tolle Figur und ich habe ihn immer sehr gemocht. Deswegen finde ich es jetzt auch gut, dass eine Geschichte lieber jetzt zu Ende ist, als dass sie nicht gut erzählt wird und Möglichkeiten nicht genutzt werden.“

 

Und das Kochbuch?

„Deswegen gibt es dieses Buch, denn es erzählt von Sizilien, einer bestimmten Lebensart und von südländischen Träumen. Das wären alles Facetten gewesen, die meiner Meinung nach in den Drehbüchern hätten vorkommen dürfen. Ab und zu war davon im ,Tatort‘ die Rede, immer einmal wieder hat Kopper Lena Odenthal vor dem Verhungern gerettet, leider aber hat Sizilien in unseren Filmen nicht wirklich stattgefunden. Weil es beim Drehen immer sehr viel um Zeit geht, wollte ich mich mit Muße Sizilien und seiner Küche hingeben.“

 

Und nebenbei waren Sie auch noch als Location-Scout unterwegs?

„Richtig, ich habe in Sizilien eine ganze Menge traumhafter Orte gefunden, die noch niemals in einem Film stattgefunden haben. Meine Reise nach Sizilien war sehr inspirierend, sehr beeindruckend, dort gibt es jede Menge toller Kulissen für verschiedenste Filme.“

 

Bei allem Tatendrang und bei aller Vernunft, gehen Sie auch mit einem weinenden Auge?

„Eindeutig ja. Selbstverständlich gehe ich nach 22 Jahren nicht einfach so, sondern der Abschied hat mich sehr berührt. Ich habe den ,Tatort‘ immer sehr geschätzt und dieses Format war für mich schlicht auch Werbeträger an anderen Stellen. Ich beschäftige mich viel mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln. Ich lese aus meinen Büchern dazu und halte Vorträge zu diesen Themen. Dabei haben mich die Leute immer auch auf den ,Tatort‘ angesprochen. Dadurch, dass ich als Kopper immer mal wieder am Sonntag Abend bei den Leuten zu Gast im Wohnzimmer war, musste ich mich als Buchautor Andreas Hoppe den Leuten erst einmal vorstellen und vielen auch erklären.“

 

Die Frage an TV-Kommissare ist gerne: Haben Sie selber schon einmal Erfahrung mit der Polizei gemacht? Und sind sie nun froh darüber, in Berlin in zweiter Reihe parken zu können, ohne mit der Wimper zucken zu müssen? Fällt auch eine Vorbildfunktion weg?

„Nicht wirklich, ich habe immer die stille Hoffnung gehabt, dass ich als TV-Polizist vielleicht zuvorkommend behandelt werde, und deswegen eventuell öfter in der zweiten Reihe parken kann – das war aber nie so.“ (grinst)

 

Sondern?

„Ich wurde immer eher sehr gründlich kontrolliert, weil sich die Beamten nicht vorwerfen lassen wollten, dass sie den ,Kollegen‘ aus dem Fernsehen etwas laxer behandeln.“

 

Wie waren Ihre Begegnungen mit der Polizei?

„Früher habe ich ein amerikanisches Auto gefahren, das an seinem Heck eine durchgehende Lichtleuchte hatte. Da ist mir die Polizei immer gerne hinterher gefahren, hat mich angehalten, um zu kontrollieren, ob das in den Papieren eingetragen ist. Ich wusste, dass es genauso war, aber die Beamten haben mein Auto immer ganz genau unter die Lupe genommen. Nachdem zwei Beamte mich einmal über zehn Minuten lang kontrolliert hatten, fragte mich eine Polizistin, ob sie ein Autogramm haben könnte. Ich habe gesagt: Hätten Sie mich das vorher gefragt, sehr gerne, aber nach dieser Untersuchung muss das nicht unbedingt sein.“

 

Sie sind in Berlin geboren und wohnen dort auch heute noch, Sie wohnen aber auch in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Lande. Wo ist ihre Heimat?

„Ich wohne in Mecklenburg-Vorpommern, denn ich bin gerne in der Natur. Trotzdem bin ich aber auch aus beruflichen Gründen oft in Berlin, denn Filmarbeit und Veranstaltungen finden auf dem Land nicht so viel statt. Ich liebe Mecklenburg-Vorpommern, bin zwischendurch der Arbeit wegen aber immer mal wieder auch in Berlin.“

 

Wenn Sie eine Lebensphilosophie für sich gehabt haben, bei vielen ist das Heirat, Kinder und Leben auf dem Land, dann haben Sie sich zumindest das Landleben erfüllt?

„Richtig, ich lebe sehr gerne auf dem Land, ich habe gerne Platz und Natur um mich herum. Ich finde es auch wichtig, mir zwischendurch Zeit für Stille und Einkehr zu nehmen. Ich glaube, das kann jedermann in dieser hektischen Zeit gut verstehen. Ich habe manchmal große Sehnsucht nach Ruhe und Stille. Mir ist wichtig, zwischendurch immer mal wieder anzuhalten, weil es im Alltag hektisch genug zugeht.“

 

Brauchen Sie auf der einen Seite die Ruhe, während Sie auf der anderen vor Tatendrang mit den Hufen scharren?

„Genau richtig. Ich denke, jeder Mensch sucht die Balance in seinem Leben. Es geht um eine Basis, es geht um Kraft auftanken und es geht um das Gleichgewicht von Ying und Yang. Ausgeglichenheit ist wichtig, aber auch schwierig, denn einerseits möchte ich viel tun, andererseits brauche ich zwischendurch Ruhe und Zeit für mich. Daran zu arbeiten, ist für mich auch eine Lebensaufgabe.“

 

Als Schauspieler müssen Sie bei der Arbeit sehr diszipliniert sein, gibt es Sie im Privatleben auch mal komplett undiszipliniert?

„Die Zeiten sind rar gesät, in denen ich wirklich mal das Gefühl habe, ich habe keinen Termin und habe Zeit und kann den Tag auf mich zukommen lassen. Das kommt bei mir relativ selten vor. Wenn es aber so ist, dann empfinde ich das als großen Luxus und habe Lust darauf. Ich kann wunderbar mit mir und der Natur alleine sein.“

 

Wie soll es für Sie beruflich weitergehen? Was wünschen Sie sich?

„Ich möchte sehr gerne weiter drehen, weil mir die Filmarbeit große Freude macht. Ich habe mich vor Jahren schwerpunktmäßig für die Filmarbeit entschieden, ich habe vor dem ,Tatort‘ über Jahre viel Theater gespielt.“

 

Was kommt?

„Ich habe nach dem letzten ,Tatort‘ einige Produktionen gedreht, ich war in diesem Jahr sehr gut beschäftigt. Ich wünsche mir sehr, dass es so weitergeht und das Produktionen mit schönen Rollen und Aufgaben auf mich zukommen. Das ist mein großer Wunsch. Besonders gerne würde ich weiter Bücher schreiben, denn dabei kann ich besonders kreativ sein. Ich arbeite mich gerne für ein Buch in verschiedene Themen ein und ich würde auch Geschichten schreiben wollen.“

 

Haben Sie konkrete Pläne?

„Ich kann mir sehr gut vorstellen, Erzählungen und Geschichten zu schreiben. Ich mag es sehr, Fantasie zu entwickeln. Ich schreibe aber auch gerne  themenbezogen. Ich hatte in diesem Jahr zum Beispiel eine bescheidene Apfelernte, was eindeutig damit zu tun hat, dass immer weniger Insekten fliegen. Das ist ein Thema, das mich bewegt.“

 

Sind Sie davon überrascht, dass Sie jetzt auf dem Land leben und eine eigene Apfelernte haben oder war Ihr Vater Bauer und Sie machen sich deswegen für Umweltschutz und regionale Ökologie stark?

„Wir haben die Natur geschenkt bekommen und mit Geschenken sollte man behutsam umgehen. Man muss mit der Natur und Umwelt pfleglich sein und sie nicht kaputt machen. Deswegen liegt mir dieses Thema besonders am Herzen. Wenn dieser Planeten nicht mehr besteht, dann bestehen wir Menschen auch nicht mehr. Ich bin überzeugt, wir müssen die Natur schützen und achten, weil sie die Basis unseres Lebens ist.“

 

Aber Sie sind nicht familiär „vorbelastet“? Ihr Vater war kein Landwirt?

„Nein, ich finde das Thema wichtig und deswegen schreibe ich Bücher darüber. Ich war mit dem Buch ,Allein unter Gurken‘ in Deutschland auf Lesereise unterwegs und dadurch haben sich sehr viele interessante Diskussionen und Gespräche ergeben. Ich bin neugierig, ich habe mit Bauern genauso gesprochen wie mit Politikern. Das Thema ist und bleibt interessant. Alleine die Diskussion um Glyphosat, das jetzt wieder für fünf weitere Jahre freigegeben wurde. Das ist eine Katastrophe, denn Glyphosat vernichtet nicht nur Unkraut, sondern tötet Insekten und andere Lebewesen! Es schockiert mich, wie das gelaufen ist. Nicht umsonst hat z.B. der Imkerverband gesagt, dass diese Nachricht keine Freude ist, weil Glyphosat Tiere und Umwelt schädigt. Ich finde das unverantwortlich.“

 

Ist dieses Engagement eine Lebensaufgabe für Sie?

„Was heißt Lebensaufgabe? Wir leben alle auf dieser Erde, also können wir uns auch alle mit dem Thema Natur und Umweltschutz befassen. Ich denke, dieses Thema sollte bei jedem Menschen im Bewusstsein verankert sein.“

 

Letzte Frage: Was bleibt nach 22 Jahren „Tatort“? Werden Sie in Zukunft weiter Lena Odenthal gucken oder schauen Sie den „Tatort“ gar nicht mehr?

„Ich werde sicherlich ab und zu ,Tatort‘ schauen und ich werde auch mitunter schauen, was die Kollegen im Odenthal-,Tatort‘ machen. Ganz bestimmt. Ich bin aber keiner, der jeden Sonntag Abend den ,Tatort‘ schaut, weil ich dann oft andere Sachen mache. Sicherlich werde ich in bezug auf den ,Tatort‘ weiterhin neugierig bleiben und deswegen auch schauen, aber auch nicht mehr oder weniger als vorher, sondern auch da bin ich ganz entspannt.“

 

Text: © Wolfgang Wittenburg  / T&T – Jede Infoauswertung ist honorarpflichtig 12-2017

Fotos: © Marc Schultz-Coulon / T&T