Ulrike Folkerts - Jeans oder ESCADA?

Meist trägt sie Jeans und bequeme Oberteile, dazu gerne einen bunten Schal oder ein schickes Halstuch. Ulrike Folkerts ist ein echter Kumpel-Typ und kommt auch so daher! Aufgeschlossen ist sie, mit einer gesunden Portion Neugier versehen und eine geduldige Zuhörerin ist sie obendrein. Wenn man sie so anschaut, ist man sicher: Mit der Frau kann man Pferde stehlen!

Still und leise aber hat Ulrike Folkerts sich für eine ganz andere Fraulichkeit erschlossen. Offene Augen und ihr Lächeln sind heute kombiniert mit sehr viel Kreativität und Empathie. Ulrike Folkerts trägt inzwischen gerne betont Weibliches, sie hat sich die Haare wachsen lassen und sie lacht nun noch mehr. Zum Stichwort „Wandlung“ fällt Ulrike Folkerts auch noch ein wichtiger Wendepunkt in ihrem Leben ein. Sie bekennt: „Ich erinnere mich an einen wirklich heftigen Umbruch, durch den sich für mich besonders viel im Leben verändert hat. Das war mein Coming-Out!“. Wie hat sie diese Zäsur im Leben erlebt? „Da musste ich völlig neu denken, wie die Welt um mich herum jetzt funktioniert. Wie bringe ich das meiner Umwelt bei? Wie möchte ich selbst damit leben? Was bedeutet das für mich? Was bedeutet das für mein Umfeld? Was bedeutet das für die Gesellschaft und wie positioniere ich mich da? Das war auf jeden Fall mein großer Umbruch!“ Als „Tatort“-Kommissarin löst sie jeden Fall, aber hat Ulrike Folkerts auch ihr Coming-Out als Frau, die Frauen liebt, hinbekommen? „Heute kann ich sicher sagen, ich habe diesen Umbruch gemeistert und ich bin daraus ganz gut hervorgegangen. Ich fühle mich mit mir und meinem Leben wohl und das hat sehr viel Wert.“
Ohne Sportzeug und Schwimmsachen geht Ulrike Folkerts selten aus ihrer Wohnung und niemals auf Reisen. Das war früher wie heute so. Aber in einen Verein kriegen sie trotzdem keine zehn Pferde hinein: „Im Sport bin ich Einzelkämpferin und noch nie ein Herdentier gewesen.“ Gute Jogging-Pfade und den Weg zur Schwimmhalle, das sind feste Parameter, die Ulrike Folkerts immer zunächst für sich absteckt, wenn sie sich in einer anderen Stadt aufhält. In Berlin, wo sie seit einem Vierteljahrhundert lebt, joggt sie durch den Stadtwald oder an der Spree entlang – und zwar völlig unabhängig von beruflicher Anforderung oder gar privater Belastung. „Sportlich bin ich sowieso, deswegen muss ich mich auch für keine Arbeit besonders fit machen. Ich bin aber eher eine Lust- und Laune-Läuferin. Wenn das Wetter gut ist, laufe ich eben öfter, als wenn es regnet. Ich suche mir aber auch immer ein schönes Schwimmbad und gehe regelmäßig in die Sauna.“
Eine Diät hat Ulrike Folkerts noch nie gemacht. Probleme mit der Figur kennt sie nicht. Sie wiegt im Winter immer ein paar Kilos mehr, die mit dem Frühjahr dann wieder verloren gehen. Bewegung braucht Ulrike Folkerts auch fürs Gemüt. Sie wird ohne sportliche Aktivität regelrecht ungenießbar: „Sport gehört für mich zur Balance meines Lebens. Sport ist wichtig für meinen inneren Zustand. Ich glaube tatsächlich, dass ich in gewisser Weise ein Zappel-Phillipp bin. Mein Sport ist auch einer gewissen Unruhe geschuldet. Für mich ist es immer ein sehr guter Ausgleich, wenn ich laufen gehe, schwimmen gehe, dabei gehe ich Texte durch. Das Laufen geht von alleine, ich rezitiere Texte, merke, wo ich hängen bleibe, nachdenke, da muss ich nochmal genau ins Buch gucken. Schwuppdiwupp, ehe ich mich versehe, ist meine Laufrunde schon wieder zu Ende und ich habe eine ganze Menge Text durchgearbeitet, manchmal auch neue Ideen bekommen. Dafür ist Sport super – und ich bin ausgeglichen.“

Ulrike Folkerts hat ihren Lebensweg gefunden und er tut ihr sichtlich gut. Was andere machen und lassen, kümmert sie wenig. Auch deshalb führte ihr Weg von der burschikosen Kämpferin hin zur unkomplizierten Powerfrau mit Chic. Egal, ob in schwarzer Lederjacke oder im schicken Abendkleid, Ulrike Folkerts macht immer eine gute Figur. Obwohl – aufgepasst – sie nur unter bestimmten Umständen gerne shoppen geht. „Ich kaufe Kleidung nach dem Lustprinzip. Ich habe für mich gemerkt, dass es mir am meisten Spaß macht, Kleidung einzukaufen, wenn ich richtig gut ausgeruht und in den Ferien bin. Völlig egal, wo ich bin, Barcelona, New York, vielleicht auch Palma de Mallorca oder Istanbul. Ich weiß, irgendwann kommt der Tag, an dem ich mich für die Läden interessiere und dann macht es mir großen Spaß, dort eine Klamotte zu kaufen, weil sie mich immer wieder an diesen schönen Urlaub erinnert. Das macht Kleidung für mich besonders reizvoll!

Bei aller Wandlung und viel Mut zu Neuem ist Ulrike Folkerts aber immer Mensch – und der ist, wie alle – nicht frei von Ängsten. Nachdenklich sagt sie: „In Zeiten, wie diesen, habe ich zum Beispiel Angst davor, dass die Welt nicht mehr zur Ruhe kommt und dass man diesen Kriegen und dieser Eskalation – ich weiß gar nicht, welche Länder ich dazu erst aufzählen soll –, nicht Herr werden kann und dass Europa und die USA sich nicht immer so toll verhalten. Es finden Waffentransporte aus Deutschland nach wie vor statt. Es können Waffen in falsche Hände geraten. Wie immer leidet die zivile Bevölkerung am meisten unter den Kriegen und auch Kinder werden in Mitleidenschaft gezogen. Das macht mich wahnsinnig!“ Auch die kleinen Ängste des Alltag sind ihr nicht fremd: „Ich habe immer Verlust-Angst! Ich habe Angst davor, dass meiner Freundin etwas passiert, wenn ich nicht da bin, auch davor, dass sie vor mir gehen muss und ich dann nicht mehr leben will. Solche Ängste habe ich mitunter auch. Das sind existenzielle Ängste und diese Ängste sind in meinem Leben ganz offensichtlich da und mit denen muss ich umgehen.“

In ihrem Privatleben war Ulrike Folkerts lange mit zwei Katzen und einem Hund glücklich. Als Single aber möchte sie nicht leben und sagt: „Ich bin kein Mensch, der fürs Alleinsein geschaffen ist. Ich bin mehr der gesellige Typ. Ich habe mir schon sehr dolle wieder eine richtige Beziehung gewünscht. Ich wollte mich richtig verknallen – und dann habe ich auch das Glück gehabt.“ Beim Kennenlernen ihrer Dauerfreundin, der Berliner Kunstmalerin Katharina Schnitzler, vor einem Dutzend Jahren hat das Schicksal mitgeholfen: „Ich war wegen meines Kreuzbandrisses in Berlin geblieben und bin nicht zum Drehen gewesen. Und dann kam genau dieser eine Moment, in dem Katharina und ich uns begegnen konnten. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Augenblick nicht verpatzt habe.“ Denn: „Partnerschaft ist mir sehr wichtig, auch ein Leben zu teilen, füreinander da zu sein, Fürsorge, sich gegenseitig stützen und unterstützen auch im Job. Das löst sich gerade alles ein und das macht mich glücklich.“ Gutes Stichwort – wie lautet denn ihre persönliche Definition vom Glücklich sein? „Ich glaube, dass Glücklichsein für mich sehr viel mit dem Gefühl zu tun hat, dass ich ein zu Hause habe, dass ich sage, da gehöre ich hin. Mein Freundeskreis ist für mich wie eine Familie! Ich werde geliebt und ich kann lieben – und dann kommt erst einmal lange, lange nichts. Glücklichsein hat für mich mit dem Job nur wenig zu tun. Es gibt schon so glückliche Momente, in denen ich einen tollen Drehtag hatte, aber das sind eben nur glückliche Momente.“

Text: © Wolfgang Wittenburg

 

Fotos: © Thomas Lüders

Text: © Wolfgang Wittenburg