Ulrich Tukur – Hausbesuch vor 25 Jahren

 

Als niemand, wirklich niemand, Interesse hatte, in Hamburg im Schanzenviertel (heute eine der teuersten Wohngegenden der Hansestadt) zu wohnen, war Ulrich Tukur schon da. Von irgendwoher, aus Schwaben, kam er nach Hamburg. Irgendwer meinte zu ihm, auf St. Pauli könne man doch gut wohnen. Er fand ein kleines, ziemlich herunter gerocktes Einzelhaus, so Baujahr 1880 oder etwas später, direkt neben dem örtlichen Auto-Händler. So ein windschiefes Hinterhofhaus, zu Füßen eines riesigen Mehrfamilienhauses. Nur durch eine Toreinfahrt zu erreichen, eher so am Rand von St. Pauli. Tagsüber Autotüren–Geklapper, startende Autos, Verkaufsgespräche, Mechaniker im ölverschmierten Overalls.

 

Abends, wenn die Kunden weg waren, hatte ich den Eindruck, alleine auf der Welt zu sein“, erzählte mir Ulrich Tukur damals. Hier konnte er seine Schellackplatten mit der englischer Tanzmusik der 30er Jahren hören. So lange und – vor allem – so laut, er wollte. Oder sich seinen Lieblingsfilm auf Video ansehen. Auch laut, natürlich. „Das Blaue vom Himmel“ heißt der und ist von 1932. Drehbuch: Billy Wilder. Oder morgens um fünf Uhr Saxophon spielen. Die Tonleiter rauf und runter. Immer wieder. Immer lauter. Kein Problem.

 

Heute wohnt Ulrich Tukur in Venedig. „Aber die Sehnsucht“, sagt er, „treibt mich immer wieder nach Hamburg“. Jedoch nicht mehr zu seinem alten Haus in der Stresemannstraße – das ist nämlich inzwischen längst abgerissen …

 

Fotos: © Thomas Lüders

Text: © Wolf Sandé