Fritz Karl erinnert sich an die erste Begegnung mit seiner Frau Elena Uhlig....

 

Welche Erinnerung haben Sie, Fritz Karl, an die erste Begegnung?
F.K: „Plötzlich ist mir eine Dame an einer Säule lehnend aufgefallen, die machte sich ständig mit Wortmeldungen wichtig. Ich dachte mir immer (spricht zornig): Werrrrr ist denn diese Person? Das hat mir schon gut gefallen! So haben wir uns kennen gelernt.“

E.U.: „Am Schluss des Abends haben wir kurz voreinander gestanden, weil ich mich natürlich noch wahnsinnig einsetzen wollte und Fritz stand noch mit einem Freund zusammen. Dieser Freund vermutet bis heute, dass wir uns dort nicht das erste Mal gesehen haben, sondern bereits vorher eine wilde Affäre zusammen gehabt haben.“

E.U.: „Ich muss dazu sagen, der eine Film, in dem ich zusammen mit Fritz hätte spielen können, den habe ich mir später angeschaut. Ich sehe mir einfach gerne Filme an - ich kann immer noch träumen dabei und sehe nicht die Kamera. An dem Abend saß ich allein zu Hause und habe mir diesen Film angeguckt. Dann gab es eine Szene, in der Fritz sich in dem Film umgedreht hat – und ich sitze da wie eine 15-Jährige und denke: Oh, da ist er! Das ist mein Mann! Völlig absurd! Natürlich habe ich diesen Traum später wieder vergessen, aber ich erinnere mich heute noch an diesen Abend.“ (strahlt)

Und Sie, Elena Uhlig: Welche Erinnerung haben Sie an die erste Begegnung?
E.U.: „Als ich tatsächlich vor Fritz stand, hatte ich ein wirkliches Deja- vu-Erlebnis von eben jenem Abend.“

Schon diese erste Begegnung hat also bei Ihnen beiden einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen?
F.K.: „Ja, schon. Ich war nur kurz für diese Veranstaltung angereist, und habe danach mit allen Mitteln versucht, Elenas Telefonnummer herauszubekommen.“

E.U.: „Aber erst einmal ist alles im Sande verlaufen. Wir haben uns zwei Monate später beim ,Münchner Filmfest‘ wieder gesehen.“

Wie war das?
E.U.: „Fritz stand unten an der Treppe, ich komme herunter und sehe ihn. Von da an habe ich nichts mehr auf die Reihe gekriegt. Wir haben die ganze Zeit herumgealbert.“

F.K.: „Das war total lustig.“

E.U.: „Jedenfalls haben wir uns an diesem Abend auch wieder aus den Augen verloren. Aber danach habe ich zu meiner Freundin gesagt: Ich brauche unbedingt und sofort die Nummer von diesem Mann! Ich brauche diese Nummer, wir müssen die jetzt organisieren und ich muss diesen Mann anrufen.“

Und die haben Sie auch bekommen?
E.U.: „Richtig und dann habe ich Fritz auch angerufen, dreimal in einer Woche. Ich habe ihn auch noch nach Paris eingeladen, aber er hat darauf nicht wirklich reagiert.“

F.K. lächelnd: „Das geht mir alles zu schnell, da bin ich konservativ.“

E.U.: „Also habe ich es erst einmal wieder sein lassen – und dann hat Fritz sich plötzlich, drei Tage später bei mir gemeldet. “

F.K.: „Wir haben lange telefoniert und am Ende gesagt: Okay, ich komme jetzt nach Hamburg und wir treffen uns.“

Was war das dann für eine Begegnung?
E.U.: „Das war waaahnsinnig unangenehm!“ (lacht laut)

F.K.: „Elena hat mich vom Flughafen abgeholt …“

E.U.: „Ich war damals betrunken, obwohl ich niemals Alkohol trinke, das muss man dazu sagen.“

F.K. (grinst): „Sie hat sich Mut angetrunken.“

E.U.: „Ich hatte mir ganz viele Klamotten mitgenommen und meine beste Freundin lebt in Hamburg, die hat sich an dem Tag mit ihrem Mann gestritten. Ich habe ihr gesagt: Ich brauche dich. Du musst jetzt sofort kommen, denn ich weiß überhaupt nicht, was ich anziehen soll. Im Nachhinein hat sie mir erzählt, dass sie immer gedacht hat: Hier passiert heute etwas Großes! Dann bin ich zum Flughafen und wir sind essen gegangen.“

Wie ging es danach weiter?
F.K.: „Ich habe Elena sofort gesagt, dass ich nach Hause, nach Österreich, muss, um dort mein Leben grundsätzlich zu klären. Ich musste die Affären oder Beziehungen auflösen.“

Sie waren sich von da an Ihrer Liebe sicher?
E.U.: „Das ist ja das Absurde an der Geschichte, Fritz galt als großer Filou und Herzensbrecher, was ich nicht gewusst habe.“ (lacht laut)

F.K.: „Hallo? Da ist die Legende aber etwas größer als die Wirklichkeit.“

E.U.: „Mich haben zu der Zeit Leute in den Arm genommen, die ich gar nicht weiter kannte, und sie haben zu mir gesagt: ,Genieße es, wir sind für dich da, wenn es vorbei ist.‘ Und das Komische ist bis heute, man kennt ja viele Liebesgeschichten von sich selber: Ruft man an? Darf man nicht anrufen? Muss man Spielchen spielen? Bei uns beiden war das aber alles keine Frage. Es war überhaupt keine Frage, ob man anrufen kann oder nicht. Es war auch nie die Frage, sind wir jetzt zusammen oder nicht. Das war für mich vollkommen klar und eindeutig! Ich bin eine Woche später hingefahren, und einen Monat später zu Fritz gezogen.“

Dieses eindeutige Gefühl gibt aber auch die Sicherheit?
E.U.: „Natürlich war ich auch kurz mal nervös und habe mich gefragt: Ruft der jetzt an? Aber immer, wenn ich das Gefühl hatte, ich muss ihn anrufen, dann hat das Telefon schon geklingelt und Fritz war es.“

F.K.: „Dieser Moment ist jetzt achteinhalb Jahre her, es war die ganze Zeit wunderschön, und es wird immer besser!“ (strahlt)

E.U.: „Das stimmt, ich habe das Gefühl, wir beide beflügeln uns gegenseitig geradezu.“

Sie leben in München und in Wien?
F.K.: „München ist vorbei, aber zuerst kam Elena nach Wien und wir haben dort gelebt. Ich bin damals gerade frisch in eine Männer-WG eingezogen. Zusammen mit zwei Freunden.“

E.U. sagt lächelnd: „Das hielt dann genau eine Woche. Der dritte Freund ist schon gar nicht mehr eingezogen in diese Wohngemeinschaft.“

F.K.: „Ich kam aus Hamburg zurück und war verliebt. Das war gleichzeitig das Ende der Männer-WG.“

Wie ging es weiter?
E.U.: „Wir haben beide geguckt, welche Stadt für uns die richtige ist. Es musste eine Stadt sein, die wir beide mögen, in der wir vielleicht auch schon gearbeitet haben, in der wir aber ,neutral‘ sind. “

F.K.: „Uns war wichtig, dass wir beide in dieser Stadt quasi neu anfangen und dass wir beide die Stadt kennen und mögen. Ich glaube, es ist wichtig, dass man als Paar neutral zusammen ein Leben neu anfangen kann.“

E.U.: „Hamburg war für uns auch eine Möglichkeit.“

F.K.: „Damit wäre ich aber zu weit weg von meinen Kindern, die zwar längst groß sind, aber in Österreich leben. Außerdem sind in Hamburg für mich als Österreicher doch zu wenig Berge.“ (schmunzelt)

Aber dort leben Sie heute nicht mehr?
F.K.: „Wir haben für drei Jahre in München gelebt, aber das war wahnsinnig stressig für uns beide.“

E.U.: „In der Zeit kam auch unser zweites Kind zur Welt.“

F.K.: „Das Leben in München ist einfach auch verdammt teuer. Um sich auch künstlerisch seine Freiheit zu schaffen, haben wir uns gesagt: Lass uns doch aufs Land gehen.“

E.U.: „Obwohl wir unseren Wohnsitz in München hatten, haben wir nur aus dem Koffer gelebt. Dazu hatten wir in Wien noch eine Wohnung – das war einfach zu viel. Ich habe mit zwei Kindern irgendwann gesagt, ich ertrage das nicht mehr. Dazu kam dann immer noch dieser Sog meines Mannes in Richtung seiner Heimat. Fritz hat eine sehr große Heimatverbundenheit. Wir fahren über die Grenze, passieren das Schild mit der Aufschrift Österreich, und mein Mann sagt laut: Ja! Ich finde das wunderbar! Der Österreicher hat einen Nationalstolz, der wirklich manchmal bewundernswert ist.“

F.K.: „Meine Frau sagt schon immer: ,Sag es bitte diesmal nicht!’“

E.U.: „Jedes Mal, wenn wir den Berg herunter fahren und ins Tal schauen, sagt Fritz zu mir: ,Ist das nicht schön? Ist das nicht herrlich anzusehen? Diese wunderbare Natur! Schau, der Berg! Hast du dir das je bewusst angesehen? Ich sage nur: Ich mache das ständig!“ (lächelt wieder)

F.K.: „Man weiß ja nie, wo man schließlich ankommt, aber letzten Endes ist es für Elena, ein Mensch der aus Düsseldorf kommt und jetzt auf einem Berg in Österreich wohnt, eine wahnsinnige Umstellung im Leben.“

Was schätzen Sie jeweils am anderen Partner?
F.K. antwortet grinsend: „Ich muss ehrlich sagen, die Uhlig zeichnet sich durch mehrere Marken aus.“

E.U.: „Und Du hälst genau dagegen! Ich möchte sagen, das hält sich die Waage.“

F.K.: „Ich schätze an Elena ihre unglaubliche Energie und ihre Durchsetzungskraft.“

E.U.: „Wir sind beide lebensbejahend und das verbindet uns. Wir sind beide sehr positiv eingestellt und sehr energetisch. Wir können aber auch mal total depressiv sein und den Weltschmerz durchleiden.“

F.K.: „Aber auch das passiert bei uns mit großer Passion und Hingabe.“

E.U.: „Meistens ist es dann so, dass Fritz mich anruft, um mir das mitzuteilen – und ich sage ihm: Mir geht es gerade ähnlich. Mein Mann besteht dann aber darauf: Jetzt hat er ein Wehwehchen und da soll es mir nicht schon wieder genauso gehen. Mir ist aufgefallen, dass wir oft an gleichen Tagen über den Weltschmerz leiden.“

E.U.: „Meine Tendenz zur Übermutter ist gleich Null. Als Mutter bin ich eher eine Rabenmutter. Sagen wir es doch mal ehrlich, und das meine ich jetzt ganz wertfrei: Ich leiste mir jemanden, der mir wöchentlich im Haushalt hilft. Warum mache ich das? Das war bei mir im Studium schon so, denn – und das möchte ich in aller Deutlichkeit sagen –, ich hasse putzen und ich kann nicht putzen!“

Wirklich?
E.U.: „Ich bin schon während meines Studiums kellnern gegangen, habe zehn Mark verdient, und die gleich meiner Putzfrau gegeben. Sie hat putzen geliebt und ich habe kellnern geliebt. Ich hatte zwar kein Geld verdient, aber jeder hat das getan, was er gerne getan hat. Mir tat überhaupt nicht weh, dieses Geld auszugeben – und so ist es heute noch. Ich kann nicht putzen und ich brauche auch jemanden, der mir bei den Kindern hilft.“

F.K.: „Eigentlich macht man das aber nicht, nicht einmal, weil man es sich finanziell nicht leisten kann, sondern weil man sowieso besser putzt, als jemand, der dafür ins Haus käme.“

E.U.: „Ich weiß aber ganz genau, jeder putzt besser als ich! Und ich muss auch sagen, dass Fritz teilweise die bessere Mutter ist als ich.“

F.K.: „Nein, das stimmt nicht.“

E.U.: „Doch! Wie Du dich gegenüber den Kindern verhältst und wie Du mit den Jungs zusammen spielst. Ich sitze mitunter nur da, sehe mir das an, auch mit unserer Kinderfrau, und denke: Wahnsinn! Schau dir das an. Ich habe manchmal die Geduld nicht und ich gehe mitunter auch zu schnell hoch. Ich liebe unsere Kinder über alles und ich bin auch bestimmt total verrückt mit den Jungs. Ich hätte am liebsten noch 20 Kinder, so ungefähr, aber ich brauche Hilfe dazu, denn ich brauche auch die Chance, mich selber zu haben.“

Was brauchen Sie beide zum Glücklich sein?
E.U.: „Den Fritz!“ (strahlt)

F.K.: „Oh, Gott, für mich ist Familie total wichtig. Familie und, ich muss es leider sagen, auch das Land, die Natur und die Familie dazu. Ich finde es ganz toll, wenn wir alle zusammen bei uns in den Bergen herum marschieren. Wenn wir an den Bach herunter gehen und dort einen Staudamm bauen, dann finde ich das herrlich. Vielleicht liegt das ein bisschen daran, dass ich mit meinen ersten Kindern sehr jung Vater geworden bin, und dann vielleicht das, was Elena gesagt hat, mit den ersten fünf Jahren im Nebel, diese Zeit nicht so intensiv miterlebt habe. Jetzt erlebe ich Familie total bewusst und das macht mich schon sehr glücklich.“

Gibt es trotzdem Inseln für Sie jeweils alleine?
E.U.: „Zeit für uns gibt es schon, auch, weil wir uns streckenweise gar nicht so oft sehen können.“

F.K.: „Es gibt Zeiten, da sehen wir uns dauernd, aber in den letzten Wochen zum Beispiel, da haben wir uns nur sehr sporadisch gesehen. Wenn andere Kollegen übers Wochenende lieber im Hotel bleiben, um dann am Montag weiter zu drehen, stehen wir um fünf Uhr morgens auf, fahren zum Flughafen und dann fliegt man zur Familie. Genauso macht es Elena, sie dreht bis spät in die Nacht und fährt dann entweder selbst oder mit einem Fahrer nach Hause. So können wir zumindest eineinhalb Tage miteinander verbringen.“

E.U.: „Obwohl wir beide, für uns privat, nicht viel davon haben, sondern wir sind dann in erster Linie als Eltern für die Kinder da. Unsere Zeit zu zweit müssen wir uns an anderen Stellen suchen, weil sonst einfach unsere Kinder Vorrang haben. Ich brauche zum Glück auch finanzielle Mittel, die machen mich vielleicht nicht glücklicher, aber sie machen mich freier.“

F.K.: Also, wir sparen nicht, sondern wir hauen das Geld zum Fenster heraus …“ (schmunzelt)

E.U.: „Das ist natürlich Quatsch, aber Zeit zu gewinnen ist für uns wertvoller, als Geld anzuhäufen.“

F.K.: „Zeit ist für uns ein sehr kostbares Gut.“

 

Fotos: © Thomas Lüders

Text: © Wolfgang Wittenburg