Esther Schweins spricht über ihre Erfahrungen mit Ordensschwestern...

Haben Sie eine Affinität zum Leben im Kloster?
„Ich war noch nie in einem Kloster. Ich bin nie eingekehrt, obwohl ich immer wieder mit der Möglichkeit liebäugele, doch einmal für eine Woche ins Kloster zu gehen. Aber, um dafür Zeit zu haben, müssen meine Kinder erst einmal das Abitur hinter sich gebracht haben und verheiratet und verschwägert sein. Vielleicht hätte ich das früher machen sollen.“

Haben Sie Erfahrungen mit Nonnen gemacht?
„Tatsächlich bin ich zu meiner Kinderzeit, damals, im letzten Jahrtausend, in der Kleinstadt Viernheim aufgewachsen. Dort gehörten die Nonnen der Englischen Schwestern ganz fest zum Stadtbild. Sie fanden überall dort statt, wo Hilfe gebraucht wurde und wo es um Kinder, kranke und alte Menschen ging. Ich selbst war bei den Englischen Schwestern im Kindergarten.“

 

Welche Erinnerungen haben Sie daran?
„Ich habe diese Zeit unheimlich genossen. Ich wollte nur nicht gerne zur Oberschwester Maria eingeladen werden, weil man zu ihr nur eingeladen wurde, wenn man etwas ausgefressen hatte oder wenn man ganz besonders toll war. Mir ist das nur ein einziges Mal passiert.“


Was war geschehen?
„Ich dachte natürlich, ich hätte etwas ausgefressen, und habe bis zum Schluss, als ich mir eine Wundertüte aussuchen durfte, nicht verstanden, warum ich das machen durfte – eigentlich verstehe ich das bis heute nicht. Es muss aber etwas Gutes gewesen sein, denn ich durfte diese Wundertüte haben.“

 

 

Was hat Sie in dieser Zeit geprägt?
„Meine Lieblingsschwester, Schwester Ines, die mich über drei Jahre begleitet hat und heute immer noch so liebevoll aussieht wie damals. Ich glaube, sie ist die letzte verblieben Schwester in Viernheim. Schwester Ines ist schon sehr alt, sieht aber immer noch ganz jung aus. Schwester Ines hat mir so viel erklärt. Für Kinder sind diese Frauen ungewöhnlich, die alle das gleiche anhaben, die alle zusammen in einem Haus wohnen, die alle einen Ehering tragen. Schwester Ines hat mir erklärt, dass sie alle mit Jesus verheiratet seien, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Der war aber nun für mich offensichtlich nicht da, was mir Schwester Ines auch erklärt hat.

Was haben Sie von Schwester Ines gelernt?
„Das mit der Liebe und dem von Gott geliebt sein, das hat sich über diese Frau auf mich übertragen, weil Schwester Ines einfach so war und das auch ausgestrahlt hat. Diese Frau war sehr gehalten und sehr geborgen und sie war rundum glücklich und friedvoll in ihrem Leben. Diese Frau war wirklich voller Liebe und sie hat mir gesagt: Ich bin in Jesus verliebt! Und der liebt mich zurück, denn er liebt alle Menschen. Jesus liebt auch dich und alle seine Kinder. ‘

Sie hätten also auch Nonne werden können?
„Das hat mich als kleines Mädchen so sehr fasziniert, so dass ich lange gedacht habe, auch Nonne werden zu müssen. Ich kann bis heute sehr gut nachvollziehen, warum es einen Menschen dahin zieht, auch wenn ich gerade die katholischen Institutionen nicht besonders liebe.“

Was verbinden Sie mit Glauben und Kloster?
„In einer Welt, in der Strukturen zusammenbrechen, in der Regeln aufgehoben werden, und in der Altbekanntes verloren geht und sich der Mensch jeden Tag neu ausgeliefert sieht, hast Du im Glauben einen Ort, der sich dem nicht aussetzen muss. Einen Hort des Friedens, und das ist zumindest für mich ein Ort, der mich anzieht. Nicht zuletzt auch die Freiheit, mit der diese Frauen sich bewegen, finde ich interessant.“

Freiheit also?
„Das Wort, Freiheit‘ ist per Definition an Grenzen und an möglichst eng gesetzte Rahmenbedingungen geknüpft, innerhalb derer ich Freiheit erleben kann. Deshalb verstehe ich sehr gut, dass man sich einer Gruppe anschließt und sagt: Ich bin Teil dieser Gruppe. Ich habe bestimmte Aufgaben, die erfülle ich und das tue ich gerne. Und dafür bin ich gehalten, nicht nur im Großen und Ganzen. Sondern das ist meine Religion, ich bin gehalten und verbunden. Ich bin auch aufgehoben in einer Gruppe, die einander versprochen hat: Einer für alle und alle für einen.“

Was brauchen Sie zum Glücklichsein?
„Glück ist für mich, zu lieben und geliebt zu werden. Darum dreht sich das ganze Leben. Wichtig ist, dass Liebe frei ist von Äußerlichkeiten und dich auch von Zwängen freisetzen kann.“

Wie wichtig sind Statussymbole für Sie?
„Ich bin überhaupt gar kein Shopping-Fan. Ich glaube, dafür bin ich von Berufs wegen viel zu oft mit Kostümbildnerinnen auf der Suche nach Kleidung – und dann muss man etwas finden. Es gibt bei mir aber manchmal so anfallartiges Shoppen, ganz speziell passiert das, seit ich Mutter bin. Shoppen für meine Kinder ist für mich das Allergrößte. Da bin ich immer ganz vorne mit dabei.“

Aber, Sie haben nicht so einen Tick?
„Handtaschen? Nein. Natürlich habe auch ich im Laufe der Zeit Handtaschen angehäuft, die größere Anzahl von Handtaschen stammt aber immer noch von meiner Mutter.“

Also, frei von Ticks?
„Ich weiß noch genau, ich hatte mit 23 Jahren, es war in Köln, die Sendung, RTL Samstag Nacht‘ hatte gerade begonnen, mein erstes Geld in meiner Tasche. Ich habe mit Erstaunen festgestellt, es gibt Handtaschen, die kosten über 1.000 Mark. Heutzutage ist das fast schon Kleingeld für eine Handtasche. Heute gibt es IT-Bags und deren Preis geht in den fünfstelligen Bereich, wenn man sie als einer der ersten haben möchte. Ich weiß es noch wie heute, ich stand damals vor dieser Handtasche und habe zu mir gesagt: Lieber Gott, wenn ich in meinem ganzen Leben jemals 1.000 Mark für eine einzige Handtasche ausgebe, dann kannst du mir mit angespitzten Stiefeln in den Hintern treten. Und das ist mir bis heute nicht passiert.“

Warum haben Sie sich für ein Leben auf Mallorca entschieden?
„Für mich und mein Leben bleibt die Achse Berlin-Mallorca ganz wichtig. Ich bleibe deutsche Staatsangehörige, mit allen Rechten und Pflichten.“

Ist es trotzdem so, dass, wenn Sie auf Mallorca bei Ihren Kindern sind, zu 100 Prozent Mutter sind, weil Ihre Arbeit woanders stattfindet?
„Lustigerweise merken meine Kinder oft gar nicht, dass ich weg bin. Wenn ich morgens wegfliege und am Abend schon wieder komme, wenn meine Kinder dann so einen richtig vollen Tag mit Klavierlernen und Gitarrenunterricht haben, und die Mutter von Freunden sich um meine Kinder kümmert, dann kriegen die beiden meine Abwesenheit gar nicht mit. Das finde ich herrlich!“

Können Sie auf Mallorca nicht anders entspannen?
„Was ich auf der Insel tatsächlich habe, und es fällt mir jetzt erst auf, wenn ich zurück nach Deutschland in eine Großstadt komme, ich merke den Grad der Entspanntheit auf Mallorca. Weil wir auf der Insel sehr ländlich leben, spüre ich mein Irritiert sein in einer Großstadt. Ich muss mich tatsächlich immer erst einmal wieder neu einnorden. Großstadt ist doch wahnsinnig laut. Das sind unheimlich viele Eindrücke auf einmal und es ist Konsumterror, der mich geradezu anspringt. Als Mutter freut es mich besonders, dass meine Kinder dem nicht so ausgeliefert sind, zumindest jetzt noch nicht.“

Eine berufliche Frage zum Schluss: Was steht für Sie als nächstes Projekt an?
„Es steht an, eine Eigenproduktion, von der auch schon etwas produziert wurde. Mitgespielt haben unter anderen Hugo Egon Balder, Wigald Boning und Ralf Bauer, und was daraus wird, das werden wir erst noch sehen. Momentan sind wir in der Postproduktion dieses Films und ich kann nur sagen, ich weiß noch gar nicht so genau, ob das Dasein als Produzentin wirklich etwas Wünschenswertes ist. Zumindest haben wir es getan und gedreht haben wir auf Mallorca.“

 

Alle Fotos: © Dorothee Falke & Andre Poling

Text: © Wolfgang Wittenburg